Der Säuling ist ein deutsch-österreichischer Grenzgipfel in den Ammergauer Alpen. Er kann entweder auf deutscher Seite von Schwangau aus bestiegen werden oder - etwas einfacher - auf der österreichischen Seite von Pflach übers Säulinghaus. Wir beschreiben letztere Variante in unserer ganz persönlichen Säuling-Geschichte.
Anforderungen
Bis zum Säulinghaus gut zu bewältigende Bergwege, Gipfelaufstieg steil, über weite Teile drahtseilversichert. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig.
- Pflach
- Säulinghaus
- Säuling
- Säulinghaus
- Pflach

Der Säuling - ein ganz besonderer Berg
Gut Ding will Weile haben. Nach langem Ringen mit Bienes 'Kletter'angst erreichen wir im zweiten Anlauf den Gipfel des Säulings. Es ist unser langgehegter Traum. Einmal auf dem König der Ammergauer Alpen stehen. Der Berg, der uns stets als erstes begrüßt, wenn wir wiedermal wandergierig auf der A7 durchs Allgäuer Tor fahren. Von Tobi liebevoll der Silhoutte wegen "die Titte" genannt.
Schon König Ludwig II. bewunderte diesen Berg und suchte sich für sein Märchenschloss Neuschwanstein ein lauschiges Plätzchen unterhalb des Säulings aus. Der wusste genau, wo es am schönsten ist.
Die erste Tuchfühlung haben wir ein Jahr zuvor aufgenommen. Bis zum Säulinghaus sind wir gewandert. Haben dort stundenlang am Fuß des steilen Aufstiegs zur Säulingswiese unter einer Tanne gesessen, die todesmutigen Wanderer beobachtet - und diejenigen bewundert, die auch den letzten Aufstieg gewagt haben. Biene vor Ehrfurcht erstarrt - im Zweifel, ob sie diesen schier unüberwindlich scheinenden Steilhang je hinaufsteigen wird. Das sieht aber auch steil aus von unten!
Du bist auch etwas ängstlich oder unerfahren und traust Dir den Aufstieg zum Säuling nicht zu? Dann empfehlen wir als Alternativziel den Nachbarberg - das Koflerjoch ist deutlich einfacher zu besteigen als der Säuling und bietet fast die gleiche Aussicht.
Für erfahrene Wanderer mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ist der ausgesetzte Aufstieg zum Säuling keine besonders grosse Herausforderung. Wo nötig ist der Weg gesichert und allzu lang ist der Aufstieg bis zur Säulingswiese nicht.

Auf den Säuling übers Säulinghaus
Im April 2007 sind wir also zum zweiten Mal am Ort des Geschehens. Und heute soll es wahr werden. Wir wollen dem Säuling aufs Dach steigen. Der altbekannte Weg zum Säulinghaus ist ohne Probleme. Am Säulinghaus darf Biene sich nochmal kurz sammeln und pullern gehen, damit sie unterwegs nicht durch drängende Gedanken an nicht vorhandene Büsche abgelenkt wird.

Vom Säulinghaus über die Säulingswiese zum Gipfel
Und dann nichts wie los - ehe die Angst in Panik umschlägt und ein Weitergehen erneut verhindert. Als wir in die Wand einsteigen, hat Biene wachsweiche Knie. Das Herz schlägt bis zum Hals. Die Hyperventilation steht kurz bevor. Tobi ist die Ruhe selbst. Kunststück, wenn man Sternzeichen Steinbock ist. Biene dagegen ist Krebs und wer hat jemals einen Krebs in den Bergen rumkreuchen sehen?

Der Steig wird immer steiler. BabyMuflfon traut sich kaum nach unten zu sehen. Ausrutschen ist in dieser Wand definitiv keine gute Idee. Also immer gut an den zahlreich vorhandenen Sicherungen festhalten. Konzentriertes Steigen Schritt für Schritt. Schön 'lanksamm'.

Eine Gruppe Jungspunde überholt uns. Einer zieht sich an der Sicherungskette nach oben. Diese nimmt gehörig Schwung auf und hätte Biene beinahe ins Straucheln gebracht, wenn sie sich nicht gut festgehalten hätte. Der Schreck sitzt uns noch in den Knochen als dieselben Kerle von oben einen Stein lostreten. Er poltert knapp an uns vorbei in die Tiefe. Keine schöne Vorstellung, was passiert, wenn man so einen an den Kopf kriegt.
Der restliche Aufstieg wird souverän gemeistert. Biene hat sich aklimatisiert. Sogar ein bißchen Spaß macht die Kletterei inzwischen, das muss man zugeben. Und ab der Säulingswiese ist der restliche Teil bis zum Gipfel des Säulings sowieso nur noch ein Klacks.

Und dann ist es soweit. Nach cirka drei Stunden Aufstieg stehen wir auf dem Säuling! Freudestrahlend klopfen wir ans hölzerne Gipfelkreuz. Welch ein Triumph! Unbändiger Stolz erfüllt Bienes Brust - das Gefühl, sich überwunden und nun diesen Erfolg erreicht zu haben ist einfach großartig. Diese Aussicht - phantastisch! Auf der einen Seite blicken wir ins Flachland auf die allgäuer Seen und die Königschlosser Neuschwanstein und Hohenschwangau. In die andere Richtung erhebt sich ein Meer von Bergen - Tannheimer, Lechtaler, Mieminger. Ist das nicht - das ist doch - ...einfach grandios!!!

Kleiner Exkurs: Wanderausrüstung für Einsteiger
Wie man auf den Bilder sieht, sind wir in unserer Anfangszeit mit Baumwollshirt und Jeans losgezogen. Das einzige, auf das wir immer geachtet haben, sind gute Wanderschuhe. Unserer Meinung nach der wichtigste Gegenstand in den Bergen. Mittlerweile sieht unser Bergequipment um Welten umfangreicher aus. Vieles hat sich bewährt, anderes nicht. Was unserer Erfahrung nach in die Grundausstattung fürs Wandern gehört und was nice-to-have ist, haben wir in einem eigenen Artikel zusammengestellt.
Diese Grundausstattung solltest Du zum Wandern haben
Abstieg auf demselben Weg
Es gibt nur einen einzigen Nachteil, wenn man auf dem Gipfel steht. Man muss auch wieder runter. Beim Gedanke an den Abstieg wird Biene gleich wieder mulmig. "Runter kommen sie alle!" sagt Tobi flapsig. Sehr lustig. Zum Glück haben wir ein Schnäpsle dabei. Der wird jetzt erst mal stilecht im Flachmann ausgepackt und dann gibts für jedes Mufflon einen großen Schluck.

Biene drängt zu baldiger Rückkehr. Es sind für später Gewitter angesagt. Neben gewissen Steilstellen sind Gewitter Bienes persönlicher Alptraum Nummer Eins. Unsere Touren sind stets eng auf den Wetterbericht abgestimmt. Bei Gewittergefahr wird grundsätzlich keine längere Tour durchgeführt. Schon so mancher fröhliche Wandergesell wurde unterwegs vom Blitz erschlagen. Kreuze und Gedenktafeln als stumme Zeugen dieser Tragödien findet man im Gebirge zu Hauf.
Deshalb gilt für uns: Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Gut, wenn es nach Tobi ginge, sähe es anders aus. Aber in Sachen Sicherheit weiß Biene sich meistens durchzusetzen. Und so haben wir es in den letzten 20 Jahren (fast) immer geschafft, vor Blitz und Donner wieder im Tal oder auf der nächsten Hütte zu sein.

Zurück zu unserer Tour. Wir machen uns an den Abstieg. Das Steilstück steigen wir langsam und konzentriert ab. Unterwegs treten keine Komplikationen auf- zumindest keine, an die wir uns nach so langer Zeit noch erinnern können. Als wir das Säulinghaus erreichen, fällt die ganze Last von den Schultern. Wieder in Sicherheit! Und scheeeee woars!!!

Noch mehr Geschichten vom Säuling gefällig? Auch Noa von Kulturnatur hat den Säuling erklommen - in anderer Variante von Schloss Neuschwanstein her!
Der Säuling erscheint Dir zu schwierig, Du möchtest aber trotzdem das Panorama genießen können? Dann wandere auf das Koflerjoch - der Gipfel ist direkt neben dem Säuling, ist wesentlich einfacher und bietet ebenfalls eine traumhafte Aussicht.
Fragen, Anmerkungen, Lobhudeleien
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