Auf alten Saumpfaden führt der Stockalperweg vom Wallis bis nach Italien. Wir stellen die ersten beiden Tagesetappen von Brig über den Simplonpass bis nach Gondo vor. Von Gondo kann man den Stockalperweg in zwei weiteren Etappen bis Domodossola fortsetzen.

Der Stockalperweg hat seinen Namen von Kaspar Stockalper, der den Weg vor mehr als 300 Jahren als Handelsroute ausgebaut hat. Die Route wurde später von anderen abgelöst und wurde vor einigen Jahren als Kulturwanderweg wiederentdeckt.

Stockalperweg Brig
Ausgangspunkt des Stockalperwegs ist Brig

Stockalperweg Etappe 1: von Brig auf den Simplonpass

Nachdem wir in Brig dem Zug entstiegen sind, starten wir das Unternehmen ‚Stockalperweg‘ mit einem Bummel durch die Stadt. Durch Brig sind wir schon beim einen oder anderen Ausflug ins Wallis gefahren, aber noch nie haben wir uns die Zeit genommen, den Ort anzusehen. Die schmucken Gebäude versetzen uns schnell in die Zeit Stockalpers. Auch das erste Italienflair weht um uns herum.

Stockalperweg Brig
Bei einem gemütlichen Bummel durch die Gassen von Brig laufen wir uns warm

Vorbei am Stockalperschloss und am Kloster St. Ursula wandern wir aus der Stadt heraus. Wir passieren die Weiler Lingwurm und Brei. Danach gelangen wir ins Grüne. Die Steigung nimmt stetig zu. In einigen Kehren leitet uns der Stockalperweg Meter um Meter nach oben.

Vor der Saltinaschlucht erwartet uns eine unangenehme Überraschung. Aufgrund von Steinschlag ist der Originalstockalperweg in diesem Bereich bis auf Weiteres gesperrt. Eine Umleitung ist jedoch ausgeschildert. Sie führt uns hinauf zur Rosswaldstrasse. Die Strasse ist zum Glück nicht viel befahren (es handelt sich nicht um die Passstrasse). Kurz vor Schallberg können wir wieder auf den ’normalen‘ Stockalperweg zurück.

Hauswurz
Hauswurze am Wegesrand – übrigens auch im Garten sehr pflegeleicht

Jetzt kommt ein harter Moment. Denn es geht viele gerade erst mühsam aufgestiegene Höhenmeter einfach wieder nach unten. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass wir das natürlich alles später wieder hinauf müssen.

Stockalperweg Taferna
Nach dem Abstieg von Schallberg verläuft der Stockalperweg eine ganze Weile entlang der Taferna

In der Talsenke wandern wir an der Alpe Grund vorbei und nun geht es bis zum Pass nur noch als nuff. Die meiste Zeit plätschert die Taferna munter neben uns her. Es ist der schönste Abschnitt dieser Etappe und es gibt die eine oder andere Bank, die zum Rasten einlädt.

Kuhschelle Fruchtstand
Ganz schön strubbelig. Bei dieser Pflanze handelt es sich um den Fruchtstand einer Kuhschelle.

Erst kurz bevor wir den Simplonpass erreichen, müssen nochmal ein paar anstrengende Kehren bewältigt werden.

Am Simplonpass

Simplonpass - Simplonadler
Der Simplonadler ist das Wahrzeichen des Simplonpasses.

Auf dem Pass besuchen wir den überdimensionalen in Stein gehauenen Simplonadler. Er ist das Wahrzeichen des Simplonpasses und wurde im zweiten Weltkrieg gebaut. Seither wacht er als Mahnmal über den Pass.

Simplonpass
Eine von mehreren Unterkünften am Simplonpass – das Simplon-Hospiz

Auf der gegenüberliegenden Seite steht das Simplon-Hospiz. Damals wie heute Unterkunft für Reisende über den Pass. Wir übernachten nicht im Hospiz, sondern in einem Turmzimmer des Monte Leone Hotels.

Simplonpass Rotelsee
Unser Abendessen nehmen wir am Rotelsee ganz in der Nähe des Simplonpasses ein

Am Abend spazieren wir zum nur wenige Gehminuten entfernten Rotelsee. Am Ufer bereitet Chefkoch PapaMufflon das Abendmenü auf dem Gaskocher zu. Es gibt Couscous mit Jägersosse.

Simplonpass Sonnenuntergang
Sonnenuntergang am Simplonpass – die Glockenblumen leuchten wie kleine Lampions

Stockalperweg Etappe 2: vom Simplonpass durch die Gondoschlucht nach Gondo

Am nächsten Morgen sind die Berge erst einmal in dicken Wolken verpackt. Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir zur zweiten Etappe auf dem Stockalperweg. Als Kontrast zum gestrigen Tag erwarten uns heute viele Meter im Abstieg.

Erstes Highlight unterwegs ist der alte Spittel, das alte Hospiz. Es wurde von Stockalper errichtet und diente als Schutzhaus für Reisende und Händler. Heute dient das Gebäude dem Militär als Truppenunterkunft, kann aber auch als Unterkunft für Ferienlager gemietet werden.

Stockalperweg - Alter Spittel
Wenig unterhalb des Simplonpasses befindet sich der ‚Alte Spittel‘. Er diente den Reisenden als Unterkunft und kann auch heute noch für Gruppen gemietet werden.

Die nächste Zwischenstation ist Simplon Dorf. Häufig wird der Ort als Ziel der zweiten Etappe angegeben. Allerdings ist der Wandertag dann bereits nach ca. 2 Stunden beendet. Das ist uns doch ein bisschen kurz, auch wenn es in Simplon Dorf diverse Restaurants und Cafés gibt, wo man bestimmt sehr gut einen Tag verbringen und sich verköstigen lassen kann.

Simplon Dorf
Wer nicht auf dem Pass übernachten möchte, kann weiterwandern bis Simplon Dorf (wenn man die nötige Kondition und ausreichend Zeit hat!)

Bei Gabi (damit ist ein Ort am Weg gemeint, keine Frau namens Gabi) müssen wir uns zwischen zwei Wegvarianten entscheiden. Eine längere Wanderung über Furggu ins Zwischenbergertal und eine kürzere durch die Gondoschlucht. Wir entscheiden uns für die ‚Light’variante, ansonsten wäre die Etappe doch etwas zu monströs geworden.

Stockalperweg - Gondoschlucht
Höhepunkt des zweiten Tages auf dem Stockalperweg ist die Wanderung durch die Gondoschlucht

Am Eingang der Gondoschlucht besuchen wir das Museum Alte Kaserne, wo wir allerlei über die Strassengeschichte am Simplon erfahren.

Stockalperweg
Mal über der Strasse, mal durch Tunnel, mal auf Metallstegen verläuft der Stockalperweg durch die Gondoschlucht

Die Gondoschlucht teilt sich der Wanderweg mit der Passstrasse. Trotzdem ist es gelungen, den Weg so zu gestalten, dass man nur selten die Strasse hört. Teils gehen wir über Metallstege, teils oberhalb der Strasse. Bei der Infanteriefestung Fort Gondo wandern wir durch einen 350 Meter langen Verbindungsstollen. Zu bestimmten Terminen werden auch Führungen durch die Festung angeboten.

Stockalperweg - Fort Gondo
Beim Fort Gondo handelt es sich eine Infanteriefestung, die im Ersten Weltkrieg entstanden ist. Der Stockalperweg führt uns durch einen der Verbindungsstollen.

Am Ende der Wanderung erreichen wir Gondo, das direkt an der Grenze zu Italien liegt. Im Oktober 2000 wurden Teile des Dorfes durch einen Erdrutsch zerstört. Unter anderem der Westteil des markanten Stockalperturms. Heute ist der Turm wieder aufgebaut und beherbergt ein Hotel.

An der Bushaltestelle beim Grenzübergang endet unsere Wanderung. Bei der Rückfahrt mit dem Postbus können wir die ganze Strecke über den Simplonpass bis Brig noch einmal Revue passieren lassen.

Stockalperweg - Gondo
Entstation Gondo. Der Stockalperweg kann in zwei weiteren Tagesetappen bis Domodossola fortgeführt werden – diese sind jedoch schwieriger.

Fazit: auf dem Stockalperweg begegnet der Wanderer zahlreichen interessanten kulturellen Stätten und gleichzeitig eine wunderschöne Alpenlandschaft. Das schöne am Stockalperweg im Vergleich zu anderen Passübergängen ist, dass man die Strasse nur sehr selten berührt. So bleibt man von Strassenlärm grösstenteils verschont. Trotzdem bietet sich immer wieder die Möglichkeit, ein Stück mit dem Postbus abzukürzen.

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