Vor der gewaltigen Kulisse der Palagruppe im Trentino wandern wir auf den Monte Castellazzo, dessen Gipfel nicht nur kreuzgeschmückt ist. Neben dem Kreuz sitzt der Cristo Pensante, der denkende Christus. Die Wanderung soll uns zum Nachdenken anregen. Über uns und was im Leben wirklich wichtig ist. Im Anschluss an die meditative Wanderung besuchen wir die Segantinihütte.

Das Matterhorn der Dolomiten

Wir parken unseren Mietwagen am Passo Rolle. Wer früh genug dran ist, kann direkt am Beginn des Wanderwegs etwas unterhalb des Passes Richtung San Martino de Castrozza parken. Ansonsten ist direkt auf dem Pass noch ein grösserer Parkplatz.

Passo Rolle
Ausgangspunkt der Wanderung ist der Passo Rolle bei San Martino di Castrozza

Die Wanderung startet ganz easy auf einem breiten Kiesweg. Vorbei an einer grossen Kuhherde, die sogar von einem Kuhhirten beaufsichtigt wird, wandern wir mässig ansteigend als nuff.

Schon nach kurzer Zeit kommt die Capanna Cervino in Sicht. Matterhornhütte? Hier? Steht das Matterhorn nicht in der Schweiz? Wir wundern uns. Doch bei genauerem Hinsehen fällt uns auf, dass mit etwas Phantasie der Cimon della Pala tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Matterhorn aufweist. Er wird deshalb auch ‚Matterhorn der Dolomiten‘ genannt.

Capanna Cervino
Die Capanna Cervino, zu deutsch, Matterhornhütte hat ihren Namen vom Cimon della Pala, der als das Matterhorn der Dolomiten gilt

Aufstieg zum Monte Castellazzo

Nach der Hütte folgen wir ein Stück dem Weg Richtung Segantinihütte bis nach links unser Wanderweg zum Castellazzo abzweigt. Über den Castellazzo führen von zwei Seiten her Wege hinauf, so dass man gut einen Rundweg daraus machen kann. Wir beschliessen, den Weg im Uhrzeigersinn zu machen, was sich als gute Idee erweist, da der Aufstieg ein ganz kurzes Stück durch steilen Schotter führt. Wer solche Wegbeschaffenheiten im Abstieg nicht mag, sollte auch im Uhrzeigersinn gehen. Ansonsten ist es egal, wie herum man wandert.

Castellazzo
Ein leicht zu erwandernder Gipfel mit schöner Aussicht: der Castellazzo

Der Aufstieg führt wie gerade erwähnt kurz durch Schotter, dann auf einem gut ausgebauten Steig zum Gipfel. Es sind nicht viele Höhenmeter, so dass wir gerade warm geworden sind als wir auch schon am Gipfel stehen. Neben dem grossen Kreuz sitzt Christus in Denkerpose. Doch nachdenken sollen eigentlich wir, die Wanderer. Sinnfragen stellen, Antworten finden. Grössenverhältnisse zurechtrücken. Dafür eignet sich das meditative Gehen beim Wandern ohnehin sehr gut. Gerade vor den mächtigen Felszacken der Dolomiten wird man sich schnell bewusst, wie klein und unbedeutend ein einzelner Mensch doch ist. Und dass viele Dinge, über die wir uns tagtäglich den Kopf zerbrechen eigentlich vollkommen unwichtig sind.

Cristo Pensante auf dem Castellazzo
Neben dem Kreuz des Castellazzo sitzt der denkende Christus (Cristo Pensante)

Abstieg über den Trekking del Cristo Pensante

Der Cristo Pensante sitzt abgewandt von der eigentlich schönsten Blickrichtung des Monte Castellazzo – nämlich zur Palagruppe. Wahrscheinlich wollte er nicht vom Nachdenken abgelenkt werden.

Wir hingegen werfen nur allzu gerne einen Blick hinüber zur Pala. Einmal mehr sind wir fasziniert von der tollen Landschaft der Dolomiten. Eben noch grüne Almlandschaft und – zack ragen hunderte Meter steiler Fels in den Himmel.

Palablick vom Castellazzo
Blick zur Pala vom Gipfel des Castellazzo aus. Ganz rechts der Cimon della Pala.

Als Abstiegsweg nehmen wir den offiziellen Weg des Trekking del Cristo Pensante. In einigen Serpentinen windet sich der Pfad nach unten.

Abstieg vom Castellazzo über Trekking del Cristo Pensante
Der Abstieg erfolgt über den Weg Trekking del Cristo Pensante

Eben noch sind wir zwischen grauem Fels gewandert und wenige Minuten später laufen wir durch blühende Wiesen. Typisch Dolomiten! Gelbe Trollblumen, dazwischen blauer Enzian. Es ist eine Augenweide.

Blumen vor Pala
Enziane, Trollblumen – im Frühling sind die Wiesen voller bunter Blumen

Besuch der Segantinihütte

Als nächstes beim Trekking del Cristo Pensante erreichen wir die Segantinihütte. Sie ist besonders malerisch vor den Türmen der Pala gelegen. BabyMufflons Opa hat dieses Motiv so gut gefallen, dass er es in einem Ölbild verewigt hat, welches heute unsere Wohnzimmerwand ziert. Es ist uns deshalb eine ganz besondere Herzensangelegenheit, diesen Ort einmal selbst zu besuchen.

Segantinihütte
Malerisch: die Segantinihütte für der Palagruppe

Von der Segantinihütte geht es in einem kurzen Fussmarsch zurück zur Capanna Cervino, wo wir uns Speckknödel mit Ragu bzw Gnocchi mit Pilzen schmecken lassen.

Zum Passo Rolle ist es nun nicht mehr weit. Auf dem selben Weg wie heute morgen gelangen wir zurück zu unserem Wagen.

Passo Rolle
Auf dem Rückweg zum Passo Rolle leitet uns eine Kuh den Weg