Hervorragend befestigter Steig über den Lisengrat, traumhafte Natur am Seealpsee und ein anstrengender Aufstieg zurück zum Säntis: eine fordernde Tagestour oder eine schöne Wochenendtour.

Los geht es am Gipfel des Säntis. Um dort hin zu gelangen, nehmen wir die Schwebebahn ab der Schwägalp. Leider sind wir vor den Öffnungszeiten der Alpschaukäserei angekommen, weswegen der Proviant mit Brötchen und Schokoriegel nicht aufgestockt werden kann.

An der Bergstation angekommen verlaufen wir uns erst mal. So viel touristisches und kaum altbekannte Wanderschilder. Wir kommen letztendlich am Berggasthaus Alter Säntis raus. Macht nichts, ab da ist der Weg zum Lisengrat besser ausgeschildert.

Auf dem Lisengrat

Da jährlich doch einige Touristen am Lisengrat entlanggehen, wurde der einstige T4-Steig durch Drahtseile, Trittstufen und Stahlstifte so verunstaltet gesichert, dass er nun mit T3 zu bewerten ist. Am Vortag hat es kräftig geregnet, so dass der Fels immer noch recht feucht ist. Das viele Eisen kommt in dem Fall wie gerufen. Trotz Nässe ist der Lisengrat kein Problem.

Anfang Lisengrat
Der Chalbersäntis am Anfang des Lisengrats

Wir starten am Fusse des Chalbersäntis, den es zu besteigen gilt. Hier wurden sogar Drahtseil-Geländer links und rechts des Weges aufgebaut – sicherlich für all die Turnschuh-Touristen, die sich mal eben kurz die Füsse vertreten und auf einen nahegelegenen Berg klettern möchten.

Seilversicherung Lisengrat
Sehr gut seilversicherte Tritte führen steil am Chalbersäntis nach oben

Am Gipfel angekommen, hat man schon einen guten Blick auf den Säntis mit seinem alten Berggasthaus. Da der Weg jedoch noch weit ist, halten wir uns nicht lange auf. Das Wetter ist auch eher auf der ungemütlichen Seite.

Lisengrat
Nach dem Chalbersäntis folgt der eigentliche Lisengrat

Streng genommen beginnt jetzt erst der Lisengrat. Über der rechts abfallenden Wisswand sucht sich der Weg die Schwachstellen des Berges raus – gesichert durch allerlei Steighilfen. Mal links, mal rechts vom Grat geht es in leichter Kraxelei, die Stellenweise schon die Hand erfordert, in Richtung Rotsteinpass.

Kletterstelle Lisengrat
Luftige Stelle am Lisengrat

Ganze anderthalb Stunden ist man mit dem Lisengrat beschäftigt. Manche Stellen verlangen nach Schwindelfreiheit, denn teilweise fällt die Felswand doch recht steil ab – jedoch immer ausreichend durch Drahtseile gesichert.

Hinunter zum Rotsteinpass

Schon bald wird der Blick zum Rotsteinpass frei. Jetzt müssen wir nur noch etwas absteigen, das Schwierigste ist geschafft.

Blick zum Rotsteinpass
Blick zum Rotsteinpass

An zackigen Bergspitzen vorbei, die den Ende des Lisengrats markieren, geht es auf gut ausgebauten Wegen hinab zum Rotsteinpass.

Ende Lisengrat
Gegen Ende des Lisengrats geht es an Bergspitzen vorbei

Jetzt blitzt die Sonne etwas heraus und man kann erahnen, wie schön die Landschaft ist. Definitiv müssen wir bei bestem Wetter nochmal hier her und Fotos von der wilden Natur schiessen. Allerdings sind dann bestimmt auch mehr Leute unterwegs. Man kann nicht alles haben!

Rotsteinpass
Sicht auf den Rotsteinpass

Am Rotsteinpass angekommen, erwartet uns das Berggasthaus. Leider etwas zu früh für eine ausgiebige Rast. Schade eigentlich, denn die Atmosphäre hier oben ist wunderschön. Wir saugen sie etwas auf und machen uns dann aber doch auf den Weiterweg, denn dieser ist noch lang.

Wer hier aber doch etwas länger verweilen möchte, der kann statt der langen Rundwanderung zurück zum Säntis auch alternativ zum Altmann aufsteigen. Dieser Weg ist allerdings schwieriger, als der Lisengrat. In gut 1 Stunde ist man am Gipfel.

Berggasthaus Rotsteinpass
Eine Rast am Berggasthaus Rotsteinpass ist sicherlich angenehm

Der Abstieg zum Seealpsee

Der Weg führt uns nun rechts der Schafmahd hinunter zur Meglisalp. Im Vergleich zum Lisengrat ist man eher unspektakulär unterwegs. Die Aussicht auf die nun auftauchenden Fählentürme ist jedoch grandios.

Meglisalp
Immer noch zu früh für eine Pause: die Meglisalp

Die ehemalige Kuranstalt Meglisalp, die es seit dem 19. Jahrhundert gibt, wurde erst kürzlich renoviert und bietet nun Platz für 130 Gäste. Ob Hot Pot, Whiskytrek, verschiedenste Seminare oder das Verweilen im Sennendörflein – es wird ziemlich viel geboten.

Wer die Tour gemütlicher angehen möchte und sogar auf 2 Tage verteilen will, kann hier übernachten und über die Ageteplatte und dem Berggasthaus Mesmer hoch zur Melchgrueb und dort wieder auf unseren Rückweg stossen.

Unsere Wanderung geht jedoch weiter Richtung Seealpsee. Von der Meglisalp gehen wir weiter über den Hügel Kreuzböhl, dann den linken Abzweig hinunter zum Waldgebiet Unterstrich. Bei Nässe ist dieser Abstieg recht heikel. Wir gehen konzentriert den steilen, rutschigen Pfad hinunter.

Weg zum Seealpsee
Blick hinunter zum Seealpsee

Am Waldrand angekommen ist es dann auch nicht mehr weit bis zum Seealpsee. Hier wartet endlich unser Mittagessen. Wir gehen gegen den Uhrzeigersinn um den See und kehren im Restaurant Forelle ein. Das haben wir uns jetzt verdient.

Die meisten Touristen, die hier umherlaufen, würden nun zum Berggasthaus Aescher weitergehen (haben wir auch schon gemacht: Das Berggasthaus Äscher: Ein überranntes Juwel im Appenzellerland).

Die Regenwolken vom Vortag halten sich leider über dem Alpstein, so dass die Aussicht eher dramatisch als schön ist. Laut Wetterbericht bleibt es aber stabil, so dass ein Weitermarsch zurück zum Säntis kein Problem darstellt.

Seealpsee
Ausblick zum Seealpsee mit Ausläufern der Rossmahd in der Bildmitte

Über Blauschnee und Himmelsleiter zurück zum Säntis

Wir komplettieren die Umrundung des Seesalpsees fast, halten uns dann aber rechts hinauf zur Altenalp. Der glitschige Aufstieg bei Nässe ist wieder eine rutschige Angelegenheit, aber etwas einfacher als hinunter von der Meglisalp.

Ab der Altenalp wird der Aufstieg recht steil. Jedoch nicht steil genug für ausländische Touristen, die uns in Flip-Flops! entgegen kommen. Ausdrückliche Warnung: wir empfehlen nicht, diesen Weg in Flip-Flops zu gehen… Tatsächlich wird der Weg als Schäflersteig und auf manchen Seiten als Klettersteig A/B geführt. Klettersteig finde ich jedoch übertrieben. Ein paar Drahtseile und Trittstufen machen meiner Meinung nach noch keinen Klettersteig.

Die letzten paar Höhenmeter sind jetzt mit Ketten gesichert (nicht nur für Wanderer in Flip-Flops) und führen uns auf die Schulter des Schäfler. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Gipfel. Den lassen wir uns natürlich nicht nehmen!

Blick vom Schäfler
Ausblick vom Schäfler auf den steil aufragenden Läden

Wem der Rückweg zum Säntis ab hier noch zu weit erscheint, der kann auch in einer Stunde zur Ebenalp-Bahn und von dort runter nach Wasserauen. In 42 Minuten bringt einen der schweizer öffentliche Verkehr wieder zurück zur Schwägalp.

Da unsere Kondition aber noch ausreichend erscheint, machen wir uns auf den Weiterweg zurück zum Säntis. Es erwarten uns noch schweisstreibende 600 Höhenmeter.

Der Weg vom Schäfler zum Lötzlisalpsattel bleibt spannend. Schmale, etwas ausgesetzte Wege führen uns an die steil aufragenden Spitzen des Läden, hoch zum Altenalpsattel und wieder hinunter linkerhand an den Altenalptürm vorbei.

Ein Abstieg zum Berggasthaus Mesmer ist hier möglich, jedoch nur sinnvoll, wenn ein Wetterumschwung droht. Dies ist bei uns nicht der Fall, weswegen wir den rechten Weg zum nächsten Sattel in Angriff nehmen. Der mehr oder weniger Höhe haltende Weg ist nun breiter und nicht mehr ausgesetzt. Nun folgt noch ein kurzer Aufschwung zum Lötzlisalpsattel, dann geht es wieder in angenehmer Steigung hoch zum nächsten Berg: dem Öhrlikopf.

Schotterfeld unter dem Öhrlikopf
Schotterfeld unter dem Öhrlikopf, der Säntis kommt ins Blickfeld

Den Öhrlikopf lassen wir rechts liegen und erreichen nach all dem Schotter einen Einschnitt zwischen Hochnideri und Muschelenberg, der uns in die wunderschöne Karstlandschaft der Rossegg leitet. Über metertiefe Einschnitte im Gestein bahnt man sich den Weg immer weiter Richtung Bahnstation.

Karstlandschaft Rossegg
Die Karstlandschaft der Rossegg

Hat man die Karstlandschaft überwunden, bleiben noch zwei Hindernisse: das Ewigschneefeld Blauschnee und der darauf anschliessende Mini-Klettersteig zum Säntis. Der auch als Blauschnee-Minigletscher geführte Abschnitt hat keine Gletscherspalten mehr und muss deswegen nicht in einer Seilschaft überwunden werden. Allerdings kann es wohl vor allem im Frühsommer zu instabilen Schneebrücken kommen, bei denen Vorsicht geboten ist.

Blick zum Blauschnee
Blick zum Blauschnee und Säntis

Bei uns waren die Verhältnisse gefahrenlos: der schneearme Winter und der heisse Sommer haben dem Schnee mächtig zugesetzt. Keine einsturzdrohende Schneebrücken in Sicht und der kurze aber steile Aufstieg in einer Schneerinne ist mit einem Seil gesichert.

Auf dem Blauschnee
Auf dem Blauschnee, der Weg führt rechts der Bildmitte nach oben

Nach dem Schneefeld Blauschnee folgt ein Mini-Klettersteig: wie schon beim Lisengrat sind auch hier alle gefährliche Stellen gut mit Drahtseilen und Trittstufen gesichert. Nach gut einem Drittel trifft der Weg mit dem Aufstiegsweg zum Säntis von der Schwägalp zusammen. Ab hier kann es etwas voll werden.

Seilversichert zum Säntis
Seilversichert zum Säntis

Nun beginnt die sogenannte Himmelsleiter: in den Fels gehauene Eisentritte mit Drahtseilen auf beiden Seiten. Am Ende der langen Wanderung nochmal eine besondere Konditionsprobe. Aber auch die Himmelsleiter hat irgendwann ein Erbarmen und endet kurz vor dem Tunnel, welcher zur Bergstation führt. Wer schnell genug war, bekommt noch die letzte Gondel nach unten – alle anderen dürfen oben übernachten 😉

Himmelsleiter
Die Himmelsleiter führt zur Bergstation