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Würmer in der Wohnung? Wie verrückt ist das denn? Zugegeben – als wir das erste Mal gelesen haben, dass man in seiner Wohnung mit Hilfe einer Wurmkiste ganz einfach kompostieren kann, hielten wir die Sache für ziemlich abwegig. Würmer sind nicht gerade das, was man sich als angenehmen Mitbewohner vorstellt. Und einen Komposthaufen in der Küche – das stinkt doch fürchterlich! Oder etwa doch nicht?

Wir wollten es testen und sind Wurmeltern geworden. Als der Coronavirus mit all seinen Beschränkungen hereinbrach, war der richtige Zeitpunkt gekommen: das Experiment Wurmkiste konnte starten.

Was ist eine Wurmkiste und was für Vorteile hat sie?

Eine Wurmkiste ist ein natürlicher Komposter für die Wohnung, der viele Vorteile bietet:

  • Statt den Biomüll in die Tonne zu werfen, gibt man seine Obst- und Gemüseabfälle in die Wurmkiste. In der Kiste leben Würmer und ein paar andere kleine Lebewesen, die den ganzen Tag fleissig damit beschäftigt sind, den Biomüll (der nun ja gar kein Müll mehr ist 🙂 ) zu verarbeiten. Wenn jeder eine Wurmkiste hätte, müsste also das Müllauto weniger herumfahren und man selbst spart sich den einen oder anderen Gang runter zu den Abfallbehältern
  • Am Ende des Kompostierungsprozesses kommt hochwertiger Humus heraus, der sich als Dünger für die Pflanzen nutzen lässt
  • Auch der sog. Wurmtee, der beim Kompostieren entstehen kann, ist ein toller Dünger
  • Die Wurmkiste schafft einen Anreiz mehr und vielseitiger Obst und Gemüse zu verzehren, damit die Würmer immer etwas Feines zum Futtern haben
  • Es ist wahnsinnig spannend zu beobachten, wie sich das Ökosystem in der Kiste entwickelt. Neben den Würmer leben in der Kiste auch Milben, Enchyträen (kleine weisse Würmchen) und Springschwänze (kleine weisse, längliche Tierchen mit sechs Beinen). Sie helfen den Würmern beim Kompostieren.
  • Die Kompostwürmer sind urlaubsverträgliche Tiere. Man kann sie auch mal bis zu 3 Wochen sich selbst überlassen.

Wurmkiste: Welches Modell darf’s denn sein?

Der erste Schritt zur Wurmkiste ist die Entscheidung, welches Modell es sein soll. Wer handwerklich etwas begabt ist, kann die Kiste leicht selbst bauen. Für diejenigen mit zwei linken Händen (zu denen wir zählen – typische Büroheinis eben) gibt es fertige Bausätze, die man nur noch zusammenschrauben muss.

Uns hat die Wurmkiste von Wurmkiste.at am meisten angesprochen und wir haben uns für ein Modell mit Guckloch entschieden. Eigentlich ist das eher für Kindergärten gedacht, aber ein bisschen kindliche Neugierde kann auch einem Erwachsenen nicht schaden. Die Startpopulation von 500 Würmern bestellen wir gleich mit.

(Kein) Werbehinweis: Wir haben die Kiste selbst bestellt, bezahlt und haben keinerlei Auftrag vom Wurmkistenteam – der Artikel ist weder beauftragt, noch gesponsort. Damit ist der Testbericht tatsächlich unabhängig und entspricht unserer eigenen Erfahrung.

Die Vorbereitungen für die Wurmkiste

Nach der Bestellung sind wir ziemlich aufgeregt. Da die Wurmis aus Österreich kommen, müssen sie durch den Zoll und wir hoffen, dass man sie dort nicht zu lange festhält. Doch es geht alles ganz rasch und schon nach wenigen Tagen können wir unsere neuen Haustiere in Empfang nehmen.

Den gesamten Karton, in dem die Kleinen geliefert werden, kann man ihnen vollständig verfüttern.

Wurmkiste
Unsere neuen Mitbewohner sind eingetroffen. Der Karton kann den Wurmis übrigens verfüttert werden.

Das Paket enthält die vorbereiteten Holzteile der Wurmkiste inkl. Schrauben und Leim. Die Erntekiste, in der die Würmer später gefüttert werden, eine Wurmteetasse zum Auffangen des Nassdüngers, eine Hanfmatte, eine Mineralmischung für den richtigen pH-Wert und natürlich die Würmer.

Die Gebrauchsanleitung ist sehr übersichtlich und enthält alle Informationen, die man zum Start des Wurmkiste benötigt.

Wurmkiste - Einzelteile
Bevor die Würmer einziehen können, müssen wir unsere handwerklichen Talente unter Beweis stellen

Um die Kiste zusammenzuschrauben, benötigen wir ein paar Stunden – wenn man einen Akkuschrauber hat, geht es schneller. PapaMufflon hat alles mit eigener Muskelkraft erledigt. Das Holz haben wir mit Leinöl eingeölt. Der Zusammenbau ist auch von Nicht-Handwerkern gut zu bewältigen.

Wurmkiste fertig zusammengebaut
Tadaaa – fertig zusammengebaut! Ohne Akkuschrauber braucht man ganz schön Muckis

Einzug der Kompostwürmer

Als nächstes reissen wir eine grosse Kartonseite in kleine Schnipsel und machen sie gut nass. Den feuchten Karton geben wir auf den Boden der Kiste. Er dient den Würmern als erste Nahrung und als Versteck.

Wurmkiste einzugsbereit
Bevor die Wurmis einziehen, kommt eine Schicht nasser Kartonschnipsel auf den Boden der Kiste

Jetzt kommt der grosse Moment. Wir geben die Würmer, die ihre Reise in einem weissen Säckchen gemacht haben, in die Kiste. Die Würmer kommen nicht ’nackig‘, sondern bringen eine Ladung Erde mit. Schon bald entdecken wir die ersten Tiere und auch ein paar Wurmkokons, aus denen bald Nachwuchs schlüpfen wird.

Wurmkiste
Unsere neuen Mitbewohner erkunden ihre neue Umgebung. Ein bisschen Waldboden bringen sie bereits mit.

Wir geben ein paar Spritzer Wasser auf das Substrat und decken die Erde mit der Hanfmatte ab. Sie dient dazu, die Feuchtigkeit zu regulieren und verhindert, dass Fruchtfliegen sich nach Lust und Laune vermehren können. Statt der Hanfmatte kann man auch Zeitungspapier nehmen. Die Hanfmatte haben unsere Wurmis recht schnell in Beschlag genommen, sich in ihr eingenistet und sie angeknabbert. Da es ein gutes Zeichen sein soll, haben wir uns darüber gefreut.

Wurmkiste
Ein Kompostwurm erkundet die Hanfmatte

Zum Eingewöhnen gönnen wir den Jungs und Mädels erst einmal ein paar Tage Ruhe.

Fütterung

Nach drei Tagen ist es soweit: die erste Fütterung steht an. Bei einer Startpopulation von 500 Würmern kann man ca. 100g pro Tag füttern. Wenn sich die Würmer vermehrt haben, kann man bei der Grösse unserer Wurmkiste nach ein paar Monaten 500g pro Tag füttern.

Wurmkiste erste Fütterung
Das Essen ist fertig! Damit die Kompostierung einfacher ist, wird alles schön klein geschnitten.

Den Anfang macht eine Bananenschale. Damit wir neben der Wurmpopulation nicht gleich noch eine Fruchtfliegenzucht starten, waschen wir die Banane vorher mit etwas Wasser ab. Die Schale wird klein geschnippelt, so können die Würmer und ihre Gehilfen es besser und schneller verwerten.

Wurmkiste Fütterung
Zum Füttern wird die Hanfmatte angehoben und das Futter in die Kiste gegeben

Füttern kann man fast alles, was an Biomüll anfällt. Apfelbutzen, Gemüseabfälle, Bananenschalen. Lediglich Zitrusfrüchte oder Rharbarber mögen sie nicht, weil der pH-Wert zu sauer ist. Auf keinen Fall geben darf man Fleisch oder Milchprodukte. Auch Brot oder Essensreste sind keine gute Idee.

Ein Teil des Futters soll aus Zeitungspapier bzw Kartonstücken bestehen. Die Würmer lieben und brauchen diese Fasern.

Ganz erstaunlich ist, dass es tatsächlich zu keinerlei unangenehmer Geruchsentwicklung kommt. Während der konventionelle Biomüll gefühlt nach Minuten einen widerlichen Gestank abgibt, duftet es in der Wurmkiste ganz fein nach Waldboden. Glauben tut man das wahrscheinlich erst, wenn man selbst mal seine Nase in einen Wurmkompost gehängt hat.

Wurmkiste
Die Wurmkiste nach ein paar Wochen – Obst-, Gemüse und Kartonschnipsel. Ein paar Paprikakerne sind aufgegangen

Wie viel Aufwand macht eine Wurmkiste?

Die Würmer sind sehr pflegeleichte Haustiere. Wenn man ein paar Kleinigkeiten beachtet, fühlen sie sich wohl und man hat keine Schwierigkeiten.

  • Futtermenge: gerade am Anfang muss man aufpassen, nicht vor lauter Euphorie zu viel zu füttern. Immer beobachten, wie das Futter angenommen wird und im Zweifel lieber ein bisschen weniger geben.
  • Feuchtigkeit prüfen: die Kompostwürmer mögen es feucht. Das Substrat darf nicht austrocknen, soll aber auch nicht tropfnass sein. Um die richtige Feuchtigkeit zu prüfen, machen wir regelmässig die Faustprobe. Dazu wird eine Handvoll Substrat herausgeholt und zusammengedrückt (vorher die Würmer aussortieren!). Wenn das Wasser richtig herausrinnt, ist es zu feucht. Wenn gar kein Wasser kommt zu trocken. Genau richtig ist die Konsistenz, wenn sich gerade ein bisschen Wasser herausdrücken lässt. Zum Regulieren der Feuchtigkeit gibt man feuchte bzw. trockene Kartonschnipsel in die Kiste.
  • Mineralmischung: alle 3-4 Wochen kommt ein Esslöffel Mineralmischung in die Kiste. Sie sorgt dafür, dass der pH-Wert wurmfreundlich bleibt. Eine Packung Mineralmischung wird mit der Wurmkiste geliefert. Man kann später Gartenkalk aus dem Baumarkt nehmen.
  • Beobachten: Ansonsten haben wir die Würmer einfach jeden Tag beobachtet. Da unsere Kiste über ein herausnehmbares Guckloch verfügt, geht das ganz leicht, ohne die Tiere zu stören. So lange reges Treiben von Würmer und ihren Helfern in der Kiste zu sehen ist, ist alles in Ordnung. Ein gutes Zeichen ist es, wenn man kleine Wurmkokons oder Babywürmer findet – die Zucht geht voran. Wenn die Würmer die Flucht ergreifen und aus der Kiste fliehen wollen, liegt etwas im Argen und man muss prüfen, warum sie sich nicht wohl fühlen. Bei uns ist das zum Glück noch nicht passiert.
Wurmkiste Faustprobe
Um die Feuchtigkeit zu kontrollieren, sollte man in regelmässigen Abständen einen Faustprobe machen

Wurmkompost ernten

So weit, dass wir Kompost ernten können, sind wir noch nicht. Dazu braucht es etwa ein halbes Jahr. Nach fünf Wochen Fütterung haben wir die sog. Erntekiste eingesetzt. Seither füttern wir wie gewohnt in diese Kiste hinein. Abdecken tun wir weiterhin mit einer Hanfmatte (inzwischen die zweite). Und nach ein paar Tagen haben sich tatsächlich schon die ersten Würmer ins obere Stockwerk getraut.

Ziel ist dass wenn die Kiste in einigen Monaten voll ist, alle Würmer in der oberen Kiste sind. Diese wird dann herausgenommen. Der unten befindliche fertige Humus kann entnommen (‚geerntet‘) werden und der Inhalt der Erntekiste wandert nun auf den Boden. Die Erntekiste kommt wieder obenauf und so weiter.

Wie es mit dem Ernten klappt und ob unsere Pflanzen mit dem Dünger abgehen wie Schmidts Katze, werden wir später berichten. Bislang haben wir einen seeeehr schwarzen Daumen. Bei uns überlebt an Pflanzen quasi nichts. Die Erwartungen an den Humus sind entsprechend gross…

Erntekiste einsetzen
Nach ca. 1 Monat kann die Erntekiste eingesetzt werden.

Nachteile einer Wurmkiste

Wie ihr bislang festgestellt habt, sind wir also ziemlich begeistert von der Wurmkiste. Doch gibt es auch Nachteile? Ja, aber keine, die unserer Meinung nach dagegen sprechen, sich eine Wurmkiste anzuschaffen.

  • Es kann nicht alles gefüttert werden, was im Biomüll landet. Zitrusfrüchte zum Beispiel mögen die Würmer nicht.
  • Für Vegetarier und Veganer ist die Kiste im 2-Personenhaushalt evtl. etwas zu klein. Wenn man zu viel füttert, gerät die Kiste aus dem Gleichgewicht, weil die Tiere nicht mit Fressen nachkommen. Vor allem am Anfang kann man als fleissiger Obst- und Gemüseesser längst nicht alle Rüstabfälle verfüttern.
  • Wie um alle Tiere muss man sich auch um die Würmer kümmern. Wie man oben sieht, hält sich der Aufwand in Grenzen. Für den einen oder anderen ist es aber vielleicht trotzdem zu viel.
  • Eine gewisse Naturverbundenheit ist vorausgesetzt. Wer sich vor den Würmern ekelt, wird wenig Freude an einem Wurmkompost haben. Gerade für die Faustprobe ist es wichtig, dass man auch mal in die Kiste reingreifen kann.

Wir haben bislang (nach etwa 2 Monaten ab Start der Wurmkiste) immer noch unseren konventionellen Bioeimer, auch wenn er deutlich weniger gefüllt ist. Da wir im Winter gerne Orangen essen, werden wir auch nie ganz auf den Bioeimer verzichten können. Wenn einem diese kleine Einschränkung von Anfang an bewusst ist, weiss man worauf man sich einlässt. Uns stört es nicht.

Fazit

Wir sind sehr zufrieden mit unserem Experiment und absolut begeistert, dass Wurmkompostierung in der Wohnung tatsächlich so unkompliziert funktioniert. Alle, die bisher mit der Idee geliebäugelt haben, möchten wir ermutigen, diese in die Tat umzusetzen. Ihr werdet es nicht bereuen!

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Mufflons
Wir sind Familie Mufflon und zeigen Dir Bergwanderungen für Genießer im deutschsprachigen Alpenraum, manchmal auch weltweit.

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