Die Hamburger Hallig ist durch einen Damm mit dem Festland verbunden und daher leicht erreichbar. Ob zu Fuss, mit dem Rad oder gar mit dem Auto – es gibt für jeden die passende Variante, um zur Hamburger Hallig zu gelangen. Als Wanderer haben wir uns – wie sollte es anders sein – fürs Gehen entschieden.

Das Amsinck-Haus – Startpunkt zur Hamburger Hallig

Egal auf welche Weise man zur Hamburger Hallig kommen möchte: Ausgangspunkt ist immer das Amsinck-Haus, das zur Gemeinde Reußenköge gehört. Es ist nach den Hamburger Brüdern Amsinck benannt, die einst Teile der Insel Strand kauften und sie eindeichten. So entstand der Amsinck-Koog. Leider wurde er schon bald nach seiner Entstehung bei einer schicksalhaften Sturmflut, die als Grote Mandränke in die Geschichte (1634 n.Chr.) eingegangen ist, zerstört. Übrig blieb die Hamburger Hallig, deren Namen bis heute an die Brüder Amsinck erinnert.

Amsinck-Haus Hamburger Hallig
Das Amsinck-Haus: Infozentrum fürs Mittlere Nordfriesland und Ausgangspunkt zur Hamburger Hallig

Das Amsinck-Haus ist ein Informationszentrum fürs Mittlere Nordfriesland. Im Haus ist eine Ausstellung und auch vor dem Haus gibt es allerlei Tafeln, auf denen man sich über den Lebensraum Wattenmeer, Deichbau und die Geschichte der Region informieren kann. Einmal mehr stelle ich fest, dass das Bloggen bei mir einiges bewirkt hat. Früher bin ich an jeglichen Lehrtafeln und Informationen achtlos vorbei gelaufen. Seit wir als nuff ins Leben gerufen haben, hat sich das geändert. Schließlich wollen wir neben schönen Bildern auch ab und zu kleines bisschen Wissen einstreuen.

Deichschafe mit Regenbogen
Die Deichschafe begrüssen uns vor einer schönen Regenbogenkulisse

Wer gerne zur Hamburger Hallig radeln möchte, aber kein eigenes Rad mitgebracht hat, kann sich am Amsinck-Haus ein Fahrrad leihen. Autofahrer bezahlen hier die Gebühr für die Fahrt über den Damm – oder überlegen sich nochmal, ob es nicht doch die gesündere und umweltfreundlichere Variante ist, die vier Kilometer zu laufen oder zu radeln 😉

Auf dem Damm zum Schafberg

Das Wetter ist heute sehr wechselhaft. Deshalb haben wir gleich die komplette Regenmontur angelegt – Regenjacke, Regenhose und Regenschutz für den Rucksack. Anfangs haben wir Glück und die Sonne blinzelt kurz durch die Wolken als wir uns auf den Weg zur Hamburger Hallig machen.

Im Gegensatz zu anderen Halligen, die man nur mit dem Boot oder per Wattwanderung erreicht, ist die Hamburger Hallig über einen Damm mit dem Festland verbunden. Es gibt eine Fahrspur für Autos und Fahrräder und daneben einen Fussweg. So ist man relativ unabhängig von den Gezeiten. Wenn das Wasser besonders hoch steigt, kann es aber den Damm unter Wasser setzen.

NABU Haus auf dem Schafberg Richtung Hamburger Hallig
Auf dem Schafberg auf halber Strecke zur Hamburger Hallig steht ein Infohäusle des NABU

Etwa auf der Hälfte des Weges steht auf dem Schafberg ein Infohäuschen des NABU. Die Warft ist unbewohnt, oft trifft man hier einen Vogelwart vom NABU an, der gerne Fragen rund um das Vogelschutzgebiet beantwortet. Die Hamburger Hallig ist Brut- und Rast­ge­biet für Rot­schen­kel und Aus­tern­fi­scher, Sä­bel­schnäb­ler und Gro­ße Brach­vö­gel. Im Früh­jahr und im Herbst ras­ten hier bis zu 30.000 Weiß­wan­gen­gän­se.

Naturpfad Salzwiese

Salzwiesenlehrpfad zur Hamburger Hallig
Ein interessanter Salzwiesenlehrpfad sorgt für Abwechslung auf der Wanderung zur Hamburger Hallig

Direkt hinter dem Schafberg startet der Naturpfad Salzwiese. Salzwiesen sind eine ganz typische Landschaftsform für die Nordseeküste. Es ist eine Übergangszone zwischen Meer und Festland, die regelmässig vom Meer überflutet wird. Die Pflanzen sind in der Regel krautartig und an die speziellen, salzigen Bedingungen angepasst.

Salzwiesenlehrpfad Hamburger Hallig
Auf Infotafeln erfahren wir viele spannende Details rund ums Thema ‚Salzwiesen‘

Bis in die 80er Jahre dienten die Salzwiesen flächendeckend als Weide für Schafe. Danach hat sich das Bild geändert. Heute wird etwa die Hälfte der Salzwiesen nicht mehr beweidet. So kommt es, dass die Salzwiesen im Sommer mittlerweile ein buntes Blütenmeer darstellen. Wir waren leider im September zu spät dran und haben die Strandfliederblüte (Juli/August) verpasst. Es muss wunderschön aussehen, wenn die Landschaft in ein leuchtendes Lila getaucht ist.

Queller
Eine typische Pflanze im Übergangsbereich vom Meer zum Land: Queller

In den Salzwiesen der Hamburger Hallig untersuchen Forscher die Auswirkungen der Beweidung auf die Tier- (insbesondere die Vogel-) und Pflanzenwelt. Die Erkenntnisse dienen dem Küsten- und Naturschutz.

Salzpfanne Hamburger Hallig
Salzpfanne – das klingt nach Afrika. gibt es aber auch am Wattenmeer: In Senken bleibt das Wasser stehen, die Salzkonzentration am Boden steigt mit der Zeit

Auf der Hamburger Hallig

Kurz nachdem wir uns auf einer Bank an ein paar Sonnenstrahlen erfreut haben, wechselt das Wetter und ein Wolkenbruch geht los. Es wird ungemütlich – so wie man sich Nordseewetter vorstellt: es schüttet wie aus Kübeln, der Wind peitscht uns das Wasser ins Gesicht so dass es richtig weh tut. Als Brillenträger habe ich stark mit der Sicht zu kämpfen. Quasi einäugig versuche ich so schnell wie möglich dem Ziel entgegen zu eilen.

Erst als wir die Hallig fast erreicht haben, hat der Wettergott Erbarmen mit uns und dreht den Wasserhahn zu. Wir sind patschnass. Die Kameratasche ist trotz Regenschutz völlig durchgeweicht.

Hamburger Hallig
Gleich geschafft! Nachdem gerade eine heftige Dusche niedergegangen ist, erreichen wir – nun wieder bei blauem Himmel – die Hamburger Hallig

Wie begossene Pudel betreten wir den Hallig-Krog und freuen uns sehr über das trockene Dach über dem Kopf und auf etwas Warmes für unsere Mägen.

Das Restaurant bietet etwas für jeden Geschmack. Fisch, Fleisch oder Vegetarisch. Süss oder Deftig. Wer hier hungrig wieder rausgeht, ist selbst schuld. Der Hallig-Stew ist heute ideal, um sich aufzuwärmen.

Und als Nachtisch schlürfen wir eine Tote Tante – einen heissen Kakao mit Rum, in anderen Gegenden auch unter dem Namen Lumumba bekannt.

Tote Tante Hamburger Hallig-Krog
Im Hallig Krog wärmen wir uns bei einer Toten Tante auf

Zurück zum Amsinck-Haus geht es auf dem selben Weg. Für uns wieder mit heftigem Regen und Wind, eigentlich ’schlechtes‘ Wetter genannt. Aber wir müssen sagen, dass es die Wanderung zu einem kleinen Abenteuer gemacht hat, das in guter Erinnerung bleibt. Mit purem Sonnenschein wäre der Tag sicher nicht so einprägsam gewesen. Von daher ist die Hamburger Hallig eigentlich eine ideale Schlechtwetterwanderung – vorausgesetzt man informiert sich über die Wasserstände. Denn wir haben auf der Hamburger Hallig erfahren, dass für den Abend etwa 30 cm Land unter vorhergesagt sind. Wobei das natürlich auch abenteuerlich ist…